Differenzierungsstand

Dr. William Doyle

„Differenzierung ist Ihre Fähigkeit, im engen emotionalen und/oder körperlichen Kontakt zu anderen ein stabiles Selbstgefühl zu wahren – insbesondere wenn diese anderen Ihnen immer wichtiger werden. Differenzierung versetzt Sie in die Lage, den eigenen Kurs selbst dann zu halten, wenn der Partner, Freunde und Familienmitglieder Druck auf Sie ausüben, damit Sie einlenken und mit ihnen konform gehen. Menschen, die in ihrer Differenzierung weit fortgeschritten sind, können mit anderen einig sein, ohne das Gefühl zu haben, sich zu „verlieren“, und anderer Meinung sein, ohne sich dabei isoliert oder gekränkt zu fühlen. Sie können mit Menschen, die andere Vorstellungen haben als sie, verbunden bleiben und dennoch genau „wissen, wer sie sind“. Sie brauchen sich, um ihrem Selbstgefühl treubleiben zu können, einer solchen Situation nicht zu entziehen.“ (Schnarch, 2006)

Grundgedanke des Differenzierungsstandes ist die Vermittlung des Verständnisses, dass wir in unseren Beziehungen glücklicher und stabiler sein können, wenn wir nicht die Verantwortung für unser Gegenüber übernehmen, sondern uns zunächst selbst stabiliseren, um so auch dem anderen zu ermöglichen, sich selbst, aus eigener Kraft heraus, wieder zu stabiliseren.

 

SCHRITT 1  –  Grundposition

   –  Sich mit 30-50cm Abstand gegenüber aufstellen, ein „A“ bilden

   –  Die Handflächen gegen die des Partners legen, Ellenbogen liegen bequem seitlich am Brustkorb an

   –  Körperschwerpunkt über den Füßen

   –  Entspannen und Verbindung zueinander wahrnehmen

   –  Man stützt einander ab, wenn der eine wackelt, muss ihm der andere Halt geben, um beide wieder zu stabilisieren

 

SCHRITT 2 – Sich in der Beziehung „nur“ auf den Partner verlassen

   –  Eine Person geht nun einen Schritt rückwärts, sich dabei leicht nach vorne lehnend (Arme so lassen wie zuvor)

   –  Einen weiteren Schritt rückwärts machen

   –  Nachspüren, wie sich dies anfühlt

   –  Welche Auswirkungen hat die körperliche Haltung auf die innere Haltung, der andere müsse mich stützen?

   –  Wie erleben Sie die Position? Fühlen Sie sich wohl dabei?

 

SCHRITT 3 – Grundposition

   –  Danach wieder Ausgangs-Haltung einnehmen – Wie empfinden Sie nun DIESE Position?

„Der ins Wackeln geratene Partner beklagt sich oft, der andere übe zu viel Kontrolle aus oder stütze ihn nicht genug.“ (Schnarch, 2006) Kann ich mich beim Abstützen wirklich enspannen oder bin ich im Grunde mit dem Partner unzufrieden? „Wenn Sie in Ihrer inneren Stabilität auf ihren Partner angewiesen sind, bleibt Ihnen nichts übrig, als ihn ständig zu überwachen und unter Kontrolle zu halten. Kurzum, Sie können sich nie entspannen.“  (Schnarch, 2006)

 

Quelle: David Schnarch (2006): Die Psychologie sexueller Leidenschaft, Klett-Cotta Verlag, Stuttgart

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