Berührungs-Forschung

Umarmungen als Stress-Prävention

Bei einer Studie der University of North Carolina  (USA) wurden die Auswirkungen von „warmem Kontakt“ und „keinem Kontakt“ zwischen Liebespaaren auf Blutdruck und Herzfrequenz getestet. Dabei sprach die erste Gruppe über angenehme Momente ihrer Beziehung, hielt Händchen, sie sahen ein romantisches Video und umarmten sich 20 Sekunden lang, während die zweite Gruppe über die selbe Zeitspanne hinweg keinen Körperkontakt hatte und sich Gedanken über einen Tag, nur für sich allein, machen sollte. Im Anschluss sollten sich beide Gruppen in eine Wut und Stress auslösende Situation hineinversetzen.

Während eine Stresssituation in der Regel Blutdruck und Herzfrequenz ansteigen lässt, konnten die Forscher zeigen, dass beide Werte nach einem „warmen Kontakt“ mit unserem Partner, im Gegensatz zur Kontroll-Gruppe, deutlich niedriger lagen. Dies galt für Frauen ebenso wie für Männer. Liebevolle Berührungen und Umarmungen beruhigen uns demnach, können Stress vorbeugen und reduzieren somit das Risiko an Herzleiden und anderen Folgen von Stress zu erkranken.

Quellen:  http://www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/08964280309596065  /  http://endeavors.unc.edu/win2004/hugs.html

Berührung transportiert Emotionen

Eine Studie der DePauw University in Indiana (USA) konnte zeigen, dass wir mindestens acht Emotionen allein über Berührungen vermitteln können. Bei der Studie wurden 248 einander unbekannte Probanden zwischen 18 und 36 Jahren in Zweiergruppen aufgeteilt, wobei der eine „Partner“ die Aufgabe hatte, den anderen Teilnehmer allein durch physischen Kontakt spezifische Emotionen zu vermitteln. Dabei wurden alle vier möglichen Geschlechterkombinationen berücksichtigt. Der „Berührende“ las nun acht willkürlich angeordnete Emotionen, die er jeweils in einer für ihn passenden Form der Berührung, stumm an den „Berührten“ vermitteln sollte. Der „Berührte“ konnte dabei den „Berührenden“ weder sehen, noch wusste er oder sie welches Geschlecht der andere „Partner“ hat. Im Anschluss sollte der „Berührte“ aus einer Liste wiederum willkürlich angeordneter Emotionen jene auswählen, die ihm am passendsten erschien (Wut, Ekel, Angst, Freude, Traurigkeit, Mitgefühl, Liebe, Dankbarkeit oder keine der vorherigen). Einige der Emotionen konnten dabei sogar mit einer Wahrscheinlichkeit von über 70% per Berührung „transportiert“ werden.1

Quellen: 1 http://www.depauw.edu/news-media/latest-news/details/24896  /  http://www.depauw.edu/learn/lab/publications/documents/touch/2009_Touch_The_communication_of_emotion_via_touch.pdf

Eigen-Umarmungen lindern Schmerzen

Eine Studie des University College in London (England) konnte zeigen, dass, sich selbst zu umarmen, auch körperlichen Schmerz lindern kann. Die Forscher um den Neurowissenschaftler Giandomenico Iannetti bestrahlten 20 Probanden mit einem Infrarot-Laser am sensiblen Radialnerv des Unterarmes. Dabei hatten die Teilnehmer einige Male ihre Arme über Kreuz zu einer Art Eigenumarmung verschränkt. Die Forscher stellten fest, dass sowohl die Berichte der Probanden, als auch das EEG ein signifikant verringertes Schmerzgefühl aufwiesen, wenn sie sich umarmten. „Die Hände über die Körpermittellinie hinweg zu überkreuzen“, so die Forscher, „beeinträchtigt die Fähigkeit [des Gehirns], taktile Reize zu lokalisieren.“1 Dies geschehe aufgrund der Vertauschung der rechten Hand auf die linke Körperseite und umgekehrt. Informationen der jeweiligen Körperhälfte scheinen so von der jeweils anderen Seite unseres Körpers zu kommen. Das Ergebnis: Verwirrung im Gehirn.

Quellen: 1 http://ccare.stanford.edu/psychology-today/hugging-yourself-reduces-physical-pain/     2 https://www.psychologytoday.com/blog/the-science-willpower/201105/hugging-yourself-reduces-physical-pain

Berührung hilft bei geringem Selbstwertgefühl & Teddybären können existentielle Ängste verringern

Studien der VU University Amsterdam (Niederlande) konnten zeigen, dass vor allem Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl von zwischenmenschlichen Berührungen profitieren können. Die Forscher untersuchten, ob existentielle Sorgen, unter denen Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl oftmals leiden, durch scheinbar triviale zwischenmenschliche Berührungen gelindert werden können. Dabei wurden verschiedene Experimente durchgeführt, welche u.a. die Berührung der Schulter der Probanden durch eine weibliche Versuchsleiterin, die Erinnerung an den Tod und das Schätzen des Wertes eines Teddybären beinhalteten. Wurden Teilnehmer mit einem geringen Selbstwertgefühl an der Schulter berührt, fühlten diese weniger Angst vor dem Tod und mehr soziale Verbundenheit. Zudem erhöhte sich ihr Wunsch nach Berührung, wurden sie an den Tod erinnert. Dies äußerte sich in einer höheren Werteinschätzung des Teddybären. Hielten sie das Kuscheltier hingegen in den Händen, reagierten die Probanden außerdem mit geringerer Voreingenommenheit gegenüber fremden Gruppen (Ethnozentrismus). Menschen mit einem hohen Selbstwertgefühl wurden durch die genannten Bedingungen hingegen nicht beeinflusst. Die „Ergebnisse zeigen, dass Menschen durch zwischenmenschliche Berührungen existentielle Sicherheit finden können […]“ und „selbst ein lebloses Objekt zu berühren – wie einen Teddybären – kann existentielle Ängste mindern“1.

Quellen:  1 https://www.psychologicalscience.org/index.php/news/releases/touch-may-alleviate-existential-fears-for-people-with-low-self-esteem.html  /  http://pss.sagepub.com/content/early/2013/11/04/0956797613483478.abstract

Erfolgreiche Sportteams berühren sich häufiger

Eine Studie der University of California-Berkeley (USA) konnte zeigen, dass ein Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Berührungen und dem Erfolg von Sportteams besteht. Die Forscher analysierten das Berührungs-Verhalten von Spielern der National Basketball Association (NBA) während der regulären Saison 2008-2009. Dabei stellten sie in Übereinstimmung mit ihrer Hypothese fest, dass die Häufigkeit der Berührungen, sowohl individuell als auch im Team, bereits zu Beginn der Saison den individuellen bzw. Team-Erfolg voraussagen konnte und dies selbst dann, wenn sie den Spielerstatus, die vorsaisonalen Erwartungen und die Leistungen zu Beginn der Saison berücksichtigten.

Jedoch gaben die Forscher selbst zu bedenken, dass es schwer zu deuten sei, ob der Erfolg der Mannschaften letztlich auf den Körperkontakt zurückzuführen sei oder umgekehrt.1 (Das berühmte Henne-Ei-Problem) Sicher ist dennoch, dass es einen klaren Zusammenhang zwischen Berührung und persönlichem sowie teambezogenem Erfolg gibt.

Quellen: 1 http://www.alltagsforschung.de/die-psychologie-von-beruhrungen/  /   http://psycnet.apa.org/journals/emo/10/5/745/

Die Berührung einer Frau macht uns risikofreudiger

Bei einer Studie der Columbia University und der Columbia Business School (USA) konnten die Wissenschaftler den Effekt minimaler körperlicher Berührungen auf unser Sicherheits-Gefühl bzw. Risiko-Verhalten nachweisen. Die Probanden sollten sowohl hypothetisch als auch real ein finanzielles Risiko auf sich nehmen. Dabei berührte zunächst eine Frau die Teilnehmer tröstlich an der Schulter, was bei den Probanden eine höhere Risikobereitschaft auslöste und das sowohl bei Frauen als auch bei Männern. Die Forscher zeigten zudem, dass dieses Verhalten nicht auftritt, wenn ein Mann die Probanden berührte. Außerdem wurde deutlich, dass der Effekt nur verringert auftrat, wenn die Berührung auf das Schütteln der Hand reduziert wurde. „Die Ergebnisse“, so die Forscher, „lassen vermuten, dass schon subtiler körperlicher Kontakt unser Entscheidungsverhalten stark beeinflussen kann und die Bereitschaft, Risiken zu akzeptieren.“1

Quelle: 1 http://pss.sagepub.com/content/early/2010/04/16/0956797610369493.abstract

Die Berührung warmer Gegenstände macht großzügig

Bei zwei Studien der University of Colorado und der Yale University (USA) konnten die Forscher zeigen, dass uns die Berührung warmer Gegenstände großzügiger werden lässt. Während einige Probanden der ersten Studie eine Tasse warmen bzw. kalten Kaffee berührten, bewerteten sie die Persönlichkeit einer ausgewählten Person als „wärmer“ (großzügiger und fürsorglicher), wenn sie dabei eine warme Tasse in Händen hielten. Die Probanden der zweiten Studie hielten hingegen ein warmes bzw. kaltes therapeutisches Kissen. Studien-Teilnehmer, die das warme Kissen berührten, wählten hier wiederum öfter ein Geschenk für einen Freund als für sich selbst aus.

Quelle: http://www.yale.edu/acmelab/articles/Science_coffee_study.pdf

Die Hand des Ehemannes zu halten, wirkt beruhigend bei Gefahr

Bei dieser Studie der University of Virginia (USA) „drohten“ die Forscher 16 verheirateten heterosexuellen Frauen mit einem Elektroschock, während sie einer funktionellen Magnetresonanztomographie „unterzogen“ wurden. Dabei hielten sie einmal die Hand ihres Mannes, ein andermal die Hand eines anonymen männlichen Experimentators oder aber sie blieben ohne jeglichen Kontakt. Das Experiment machte deutlich, dass beim Halten der Hand ihres Ehemannes, das Gehirn stark aktiviert wurden, während dies beim Halten der Hand eines unbekannten Mannes weniger der Fall war. „Die eheliche Qualität“, so die Forscher, „konnte eine geringere gefahrenbezogene neuronale Aktivierung vorhersagen“1. Die Frauen spürten beim Halten der Hand ihres Mannes also weniger Angst bzw. Gefahr.

Quelle: 1 http://pss.sagepub.com/content/17/12/1032.abstract

Eine ärztliche Berührung kann Patienten zuverlässiger machen

Eine Studie der Universität der Südbretagne (Frankreich) zeigte, dass schon eine kleine Berührung des Arztes helfen kann, dass Patienten verlässlicher ihre Medikamente nehmen. Bei dem Experiment sollten vier Ärzte, während sie ihre erwachsenen Patienten (Entzündungen des Rachens) an die vorgeschriebene Einnahme der Antibiotika erinnerten, diese leicht am Arm berühren. Andere Patienten berührten sie dabei hingegen nicht. Eine Woche später wurden die Patienten gebeten, die Anzahl der daheim eingenommenen Tabletten zu zählen. Dabei zeigte sich, dass jene Patienten, die von ihrem Arzt berührt wurden, regelmäßiger ihre Tabletten eingenommen hatten als jene, die dies nicht wurden.

Quellen: http://www.medscape.com/medline/abstract/20183541  /  http://www.alltagsforschung.de/die-psychologie-von-beruhrungen/
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