Tantra-Massagen

statue-388896_1280Das „Tantra“ ist eine mehrere Jahrtausende alte Philosophie bzw. Liebes- und Bewusstseinsschule des alten Indien, die sich u.a. den Themen Körper, Seele, Liebe, Sexualität, Sinnlichkeit, Spiritualität sowie den Polen von Maskulinität und Feminität widmet. Um die Entstehung des Tantra ranken sich bis heute verschiedene Mythen. Sicher ist jedoch, dass es sowohl in der hinduistischen, als auch buddhistischen Religion Einfluss nahm, bis hinein in den islamischen Sufismus, chinesischen Taoismus u.a.m.1

Als Tantriker betrachtet man das Leben und alles, was es beinhaltet mehr und mehr als etwas Heiliges, um letztlich zu einer allumfassenden Liebe zu gelangen. „Da die am häufigsten abgelehnten Aspekte in den meisten Religionen und spirituellen Systemen der Körper und die Sexualität sind, diese gleichzeitig aber die Grundlage allen Lebens bilden, beschäftigt sich Tantra mit der Befreiung, der Kultivierung und mit der Ausdehnung des Bewusstseins in diese Bereiche in besonderem Maße.“2

Das u.a. von Osho geprägte „Neo-Trantra“ spielt aufgrund der Verbindung östlicher und westlicher Elemente heute vor allem im Westen eine wichtige Rolle. Dabei entstanden therapeutische Modelle, die u.a. einen gesunden Zugang zum eigenen Körper, die Akzeptanz von Gefühlen und Arbeit mit dem „Inneren Kind“, den Genuss von Sexualität sowie die Entwicklung der eigenen Liebesfähigkeit zum Ziel haben.1

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Seit den 1990er Jahren entwickelten sich so auch die aus dem Neo-Tantra entstandenen „Tantra-Massagen“ für Männer, Frauen oder auch Paare.3 Bei dieser Form einer ganzheitlichen Ganzkörper-Massage werden die Sinne über Düfte, Klänge, eine beruhigende Atmosphäre und verschiedenen Materialien zur Stimulierung des Körpers angeregt (z.B. Federn, Seidentücher, Felle, Öle, Körperkontakt zur nackten Haut der oder des Massierenden). „Tantra-Massagen umfassen meist auch die Massage der weiblichen beziehungsweise männlichen Geschlechtsorgane, wofür die Bezeichnungen „Yoni-Massage“ und „Lingam-Massage“ verwendet werden, sowie die Massage des Analbereiches und der Prostata.“3 Ein genitaler oder oraler Geschlechtsverkehr findet dabei jedoch nicht statt.4

Zwar besteht kein direkter Zusammenhang zum traditionellen Tantra, laut dem deutschen „Tantramassage-Verband e.V.“ würden Tantramassagen jedoch die Chance bieten, „den Geist des Tantra für viele Menschen erfahrbar zu machen, auch solchen, die sich nicht explizit auf einen speziellen spirituellen Erkenntnisweg machen möchten.“4 Es gehe dabei nicht um Sex oder zwangsläufig um den Organsmus in Form einer Ejakulation, sondern um das Heben des Bewusstseins auf eine neue spirituelle Ebene, die es ermögliche, die sogenannte Sexual- oder „Kundalini“-Energie zur „spirituellen Transformation“2 und der Verbindung mit dem Göttlichen zu nutzen. Nichts muss geschehen. Letzten Ende führt der oder die Massierte die Begegnung.

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Tantra oder vielmehr das Neo-Tantra, wie es in Europa gelebt wird, zelebriert die Langsamkeit und Ruhe, die es braucht, um Berührung und Umarmung ganz bewusst zu er-leben und zu reflektieren. Sie lässt Emotionen zu und heißt sie willkommen. Die Berührung darf nachnähren, was an Berührung in unserem Leben fehlt oder in unserer Beziehung zum PartnerIn oder zu unseren Eltern schmerzlich vermisst wird. Nähe und Berührung ist bis heute für die meisten allein in Verbindung mit Sexualität vorstellbar und der partnerschaftlichen Beziehung vorbehalten. Zudem ist die Umarmung unter Männern noch sehr von latent homosexuellen Befürchtungen bei einer engen Umarmung geprägt. Dabei seien jedoch vor allem Bedingungs- und Absichtslosigkeit bedeutsame Merkmale einer tantrischen Begegnung.4


Quellen:

1 https://www.yoga-vidya.de/tantra/geschichte-des-tantra/

2 http://www.sahaja-tantra.de/was-ist-tantra.html

3 https://de.wikipedia.org/wiki/Neotantra#Tantra-Massagen

4 http://www.tantramassage-verband.de/tantramassage/

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