Kuschel-Partys

„Wenn erwachsene Menschen mit skeptischen Blicken kommen, dann kuscheln wie kleine Kätzchen und am Ende mit leuchtenden Augen wieder gehen.“   (www.alle-kuschelpartys.de)

 

An einem 29. Februar, jenem des Jahres 2004, luden der us-amerikanische Sexualtherapeut Reid Mihalko und seine Partnerin Marcia Baczynski, ihres Zeichens Beziehungsberaterin, Freunde in ihr New Yorker Apartment ein, um eine „Party“ zu organisieren, bei der gekuschelt werden sollte. Das Besondere daran war jedoch nicht etwa die Idee an sich, da ähnliche Konzepte in verschiedenen (psycho-)therapeutischen Kontexten bereits seit Mitte der 1980er Jahre praktiziert wurden. Jene „Cuddle Party“, wie sie im Englischen heißt, war deshalb so bedeutsam, weil sie das Konzept des Kuschelns in einer Gruppe von Menschen erstmals außerhalb eines therapeutischen Rahmens aufgriff und damit gleich eine ganze „Bewegung“ entfachte. Die erste „Kuschel-Party“ Deutschlands wurde so im Jahre 2005 in Berlin veranstaltet, wenngleich es auch hier bereits zuvor vergleichbare Angebote für den klinischen Kontext gab.

Was aber sind „Kuschel-Partys“ genau?

kuscheln
Bild-Quelle: http://www.kuschelzeit-hamburg.de

Nach einigen Übungen zum gegenseitigen Kennenlernen und Annähern, Tanz und Aufwärmübungen zur Schaffung von körperlicher Vertrautheit, werden Ablauf und Regeln erläutert. Es gehe dabei eindeutig nicht um sexuelle Handlungen. Wer gegen diese Regel verstoße, müsse mit einem dauerhaften Ausschluss von der Gruppe rechnen. Pünktlichkeit und der Verzicht von Alkohol und anderen Drogen sei ebenso wichtig, wie ein Grundmaß an körperlicher Hygiene. Zu starke Parfüms sollten vermieden werden. Und dann kann losgekuschelt werden. Aber auch hier gibt es einen roten Faden: Sicherheit, Respekt und Wertschätzung. Man teilt einander mit, wie es einem geht, fragt um Erlaubnis vor einer Berührung und achtet dabei selbst auf die eigenen Grenzen und Bedürfnisse. Man muss nicht kuscheln, dürfe seine Meinung aber stets ändern.

Es gehe um die bedingungslose Annahme der eigenen Person, authentische Berührung ohne Sex, Entspannung und dem Erzeugen der sogenannten „Kuschelenergie“, einer liebe- und friedvollen Atmosphäre, in der durch die Synchronisierung und Resonanz der Teilnehmer in der Gruppe ein wohliges Gefühl der Liebe entstehen könne. Das setzt Glückshormone frei. Man muss einander nichts beweisen, fühlt sich zugehörig und angenommen in der Gruppe, wobei „eine sehr intensive Familien-, Horden- oder Rudelerfahrung im Vordergrund steht“1.

meerkat_familyGerhard Schrabal, Autor des Buches „Kuschel dich glücklich! – Die heilende Energie von Kuschelpartys“ sieht hierin ein spielerisches Experimentieren zwischenmenschlicher Nähe sowie der eigenen Bedürfnisse und Grenzen. Dies ermögliche Selbstfindung, in einer beschützten Umgebung voller Wärme, die vielen Teilnehmern auch ermögliche, den Umgang mit Nähe erstmals oder aber neu zu erlernen.

Durchschnittlich befinden sich 10 bis 35 Personen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren auf einer Kuschel-Party. Dabei nimmt ein hoher Prozentsatz an Menschen mit akademischem (vor allem Männer), spirituellem oder alternativ-therapeutischem Hintergrund das Angebot wahr. Die Veranstaltungen selbst sind jedoch nicht therapeutisch, sodass jeder Teilnehmer für sich selbst Verantwortung trägt. Mit bequemer Kleidung und auf ausgelegten Matratzen kuschelt so jeder mit jedem, mal im Einzelkontakt, mal in der Gruppe oder aber als stiller Beobachter.

Befindet man sich in psychotherapeutischer Behandlung, so der Rat, sollte die Teilnahme jedoch zuvor mit einem Arzt oder Therapeuten abgestimmt werden.

Neben den klassischen Kuschel-Partys gibt es zudem das sogenannte „Gaudi-Raufen“, bei der das natürliche Bedürfnis, sich zu raufen und dabei spielerisch und kräftemessend in körperlichen Kontakt zu treten, erfüllt wird. Zudem werden diverse Mischformen wie Rauf- und Kuschelpartys, Tanz- und Kuschelpartys, Kuschelige Märchenabende oder Kuschelkonzerte mit Live-Musik angeboten1. Wasser-Kuschelpartys lassen zudem die positiven Effekte des Wassers, als Symbol der Urerfahrung des Fötus im Mutterleib, in die Kuschelerfahrung miteinfließen.

Wer sich selbst zum Kuscheltrainer ausbilden lassen möchte, findet unter www.die-kuschelparty.de, www.kuschel-akademie.de oder www.kuscheltrainer-in.de weiterführende Informationen.

 


Quellen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Kuschelparty

https://en.wikipedia.org/wiki/Cuddle_party

1 Gerhard Schrabal (2014): Kuschel dich glücklich!, Die heilende Energie von KUSCHELPARTYS, Schirner Verlag, Darmstadt

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